Honorary Awards Winner 2026

„Wir erobern die Kommunikationsmechaniken der Limo-Branche zurück"

© SUPER POP

Ballaststoffe, Postbiotika, Apfelessig und Marke als Hebel – mit dieser Formel haben Fabian Huber und Lara Schön von Super Pop überzeugt. Das Stuttgarter Unternehmen ist „Startup of the Year“ des German Brand Award 2026. Wie der funktionelle Softdrink den Getränkemarkt aufmischt, was Pamela Reif und leere Regale mit der Love Brand zu tun haben, verrät Fabian Huber im Interview.

Interview mit Fabian Huber

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung „Startup of the Year“! Für diesen Ehrenpreis musstet ihr euch in einem Live Pitch vor dem Publikum der German Brand Convention behaupten, im direkten Vergleich mit den anderen Finalists Moelk und Atmos Space Cargo. Was sind eure Eindrücke von diesem Tag?  

Das war wirklich ein ganz besonderer Tag für uns. Vor dem Pitch waren wir brutal aufgeregt und total gespannt, ob wir es schaffen würden, das Publikum zu begeistern. Die Konkurrenz bestand ja schon aus größeren Companies mit coolen Projekten, daher hatten wir uns nicht die allergrößten Chancen ausgerechnet. Was wohl unseren Gefühlsausbruch bei der Verkündung auf der Bühne erklärt.

Super Pop ist ein Softdrink, der sich mit Ballaststoffen, Apfelessig und postbiotischen Kulturen als zuckerfreie Alternative zur Limonade positioniert. Was habt ihr in den wenigen Pitch-Minuten priorisiert? Was musste das Publikum unbedingt verstehen?

Wir wollten vor allem das echte Leben im Startup zeigen. Da haben wir eigentlich jeden Tag kleine Erfolge und machen viele Dinge zum ersten Mal. Kleine Meilensteine werden da fast schon nebenher erreicht. Denn durch die Menge an Arbeit gerätst du in einen Rausch, der dich das alles nicht erkennen lässt. Daher waren wir allein für die Nominierung dankbar, die uns zum Reflektieren der vergangenen elf Monate gebracht hat. 

Was beim Publikum mit Sicherheit angekommen ist, war eure unverfälschte Art. Aber fast wäre es dazu gar nicht gekommen, denn als euch die Nominierung Anfang Mai erreichte, hattet ihr eigentlich gar keinen Kopf, um für das „Startup of the Year“ zu kandidieren. Was war damals bei euch los und wie blickt ihr zwei Monate später darauf? 

Wir standen vor tausend kleinen und größeren Herausforderungen. Am schwerwiegendsten waren sicherlich die Lieferengpässe. Denn Stock-outs können schnell dazu führen, dass du die hart erkämpften Regalplätze wieder verlierst. Zwei Monate später würde ich mir ehrlich gesagt wünschen, dass wir darauf entspannt zurückblicken. Aber wir kämpfen immer noch um eine ordentliche Warenverfügbarkeit. 

Über Darmgesundheit hat lange keiner geredet, heute ist es Trendthema – und bei euch fester Bestandteil der Markenidentität. Wie geht ihr kommunikativ mit einem Thema um, das erst enttabuisiert werden musste, bevor es zum Markenkern werden konnte?

Das Thema Darmgesundheit liegt uns extrem am Herzen. In unserer Kommunikation versuchen wir das Bewusstsein dafür weiter aufzubauen, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger Ernährungsratschläge zu verteilen. Zudem versuchen wir, mit unserem klaren Fokus auf Spaß und Lebensfreude die Kommunikationsmechaniken zurück zu erobern, die bisher von den gesünderen Lebensmitteln gemieden und von gezuckerten Limonaden besetzt wurden. 

Seit dem Launch 2025 steht Super Pop in den Regalen großer Handelsketten. Gleichzeitig können eure Softdrinks auch direkt über Instagram, TikTok und Shopify gekauft werden. Was bedeutet D2C für euer Online-Marketing und wo seht ihr Vorteile oder Herausforderungen?

D2C ist eigentlich kein großes Thema für uns. Unser Online-Marketing zielt daher bewusst auf Awareness und nicht auf Performance. Getränke werden großteils im Lebensmitteleinzelhandel und in den Drogeriemärkten gekauft. An diesen Orten sind Kund*innen aber kaum empfänglich für neue Informationen. Wenn sie das Produkt wiederum irgendwo gesehen haben und die USPs in den Socials erklärt wurden, steigt die Kaufwahrscheinlichkeit jedoch drastisch. 

Pamela Reif ist nicht nur eure Investorin, sondern auch strategische Partnerin. Wie verändert das die Markenarbeit? Und wie stellt ihr sicher, dass Super Pop eigenständig bleibt und nicht zur Personenmarke wird?

Pam ist wirklich eine beeindruckende Unternehmerin. Sie mit an Board zu haben, macht uns in einigen operativen Bereichen wirklich besser. Zudem ist sie trotz ihres vollen Terminkalenders immer für uns erreichbar. Dass Super Pop keine Personenmarke geworden ist, liegt unter anderem daran, dass Pam sehr selten für Super Pop auftritt. Wir zeigen auf den unterschiedlichen Kanälen viel vom Team und der täglichen Arbeit. Dabei verzichten wir weitgehend auf ihre Einbindung – obwohl die Verlockung aufgrund ihrer enormen Reichweite doch immer wieder recht groß ist. 

Anders als anzunehmen, würdigt der Ehrenpreis nicht das interessanteste Geschäftsmodell, sondern jene Unternehmensführung, die Marke als strategischen Erfolgstreiber versteht. Deckt sich das mit dem Selbstverständnis, mit dem ihr Super Pop 2025 aufgebaut habt? Und woran messt ihr, dass Marke ein echter Hebel ist? 

Absolut! Es gibt unendlich viele Getränke, die alle mehr oder weniger dieselben wenigen Needs erfüllen. Marke ist neben Geschmack und Inhaltsstoffen der Haupttreiber für eine Kaufentscheidung, daher hat deren Aufbau für uns absolute Priorität. Dazu messen wir alle üblichen KPIs wie Engagement und Markenbekanntheit, wenn auch das Bauchgefühl bei Unternehmen unserer Größe und Entwicklungsstufe sicherlich eine sehr wichtige Rolle spielt. 

Was ist euer persönlicher Rat an andere Gründer*innen? Welche Fehler sollten junge Unternehmen beim Thema Community-Ansprache unbedingt vermeiden? 

Ich denke, dass wir dazu keine Ratschläge geben können, die für alle Unternehmen und Communities zutreffend sind. Für die meisten Brands funktioniert eine authentische, stringente und nahbare Kommunikation sehr gut. Aber es gibt auch Modelle, in denen bewusst mit solchen Mustern gebrochen wird und genau das dann der Erfolgsfaktor ist.

Wohin geht die Reise für Super Pop: Was steht als Nächstes an?

Der Markt der funktionalen Limonaden ist in Deutschland noch sehr jung. Mit Super Pop haben wir ihn zum Leben erweckt und supermarktfähig gemacht. Jetzt gilt es, sich gegenüber der teils finanzstarken Konkurrenz zu behaupten und die Position als Lovebrand Nummer eins in diesem Segment auszubauen.

Das Interview führte Sabrina Günther.

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