„Menschen folgen Menschen, nicht Marken“
Begründung der Jury
Philip Hitschler-Becker zeigt eindrucksvoll, welchen Effekt die Verbindung von Unternehmens- und Markenführung entfalten kann. Die Jury würdigt, wie er Hitschler in vierter Generation nicht einfach fortführt, sondern mit hitschies radikal neu denkt – als mutiger Bruch mit den Konventionen einer ganzen Branche. Besonders überzeugt hat, dass der hitschies-CEO selbst integraler Bestandteil der Marke geworden ist. Statt auf die klassische Distanz zwischen Führungspersönlichkeit und Unternehmen zu setzen, lebt er konsequente Präsenz und Authentizität. Hitschler-Becker trifft den Nerv einer neuen Generation von Konsument*innen und beweist damit, dass unternehmerischer Erfolg und Markenführung untrennbar zusammengehören.

Interview mit Philip Hitschler-Becker
Ich freue mich riesig, aber die Auszeichnung gilt nicht nur mir. Was wir bei hitschies erreicht haben, ist das Ergebnis von meinen Geschwistern Julia und Nicolas und einem unglaublichen Team, das jeden Tag alles gibt. Das ist unser gemeinsamer Erfolg.
Die Jury würdigt bei diesem Preis ausdrücklich ein Gesamtpaket aus Haltung, Strategie und nachhaltiger Wirkung. Welchen Anspruch legst du selbst an den Tag, wenn es um Markenführung geht?
Authentizität ist für uns das Wichtigste! Wir sind genauso, wie wir uns präsentieren. Unsere Strategie ist es, unseren Friends zu zeigen, wer wir sind und was wir mit unseren Candies verbreiten wollen: Jedem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und das Leben und lieben wir jeden Tag.
Als du 2017 die Geschäftsführung übernommen hast, stand hitschler vor enormen Herausforderungen. Was war deine erste strategische Entscheidung zwischen Investitionsstau und roten Zahlen? Warum hast du trotz Krisensituation an der Marke gearbeitet statt nur am Überleben des Unternehmens?
Wir haben uns erstmal einen Überblick verschafft: Wo stehen wir wirklich? Was sind die drängendsten Probleme? Und dann sind wir eine Baustelle nach der anderen angegangen, Schritt für Schritt. Es gab keinen großen Masterplan, sondern einfach Anpacken und Machen.
Aus „hitschler“ wurde im Jahr 2021 „hitschies“, ein durchaus radikaler Schritt für ein bald 100 Jahre altes Familienunternehmen. Was hat es für die interne Überzeugungsarbeit gebraucht und wie hast du sichergestellt, dass das Rebranding in einer Identitätsschärfung aufging?
Wir sehen uns selbst als fast 100-jähriges Startup und genau das spiegelt der Name wider. hitschies ist internationaler und man kann ihn überall auf der Welt aussprechen – ob in Japan, Südkorea oder anderen Ländern. Das stärkt uns auf dem Weg, DIE digitale Candy-Brand zu werden und international zu wachsen. Und probiert es mal aus: Wenn man „hitschies“ sagt, muss man automatisch ein bisschen lächeln. Das ist kein Zufall, das ist wer wir sind.

hitschies ist heute für eine Strategie bekannt, bei der du als CEO selbst zur Personenmarke geworden bist. War das von Anfang an so geplant oder aus der Not geboren?
Wir hatten damals schlicht nicht das Budget für große Werbekampagnen, also mussten wir kreativ sein. Dann kam die Idee, unsere Produkte über Social Media zu bewerben. Also habe ich mein iPhone 8 genommen, das erste Video hochgeladen und so hat es angefangen. Inzwischen läuft es ganz gut.
Einer deiner Grundsätze lautet „Menschen folgen Menschen, nicht Marken.“ Was bedeutet das konkret für eine*n Markenentscheider*in?
Wir geben unserer Marke ein Gesicht. So können wir Erfolge teilen, aber auch Learnings und echte Momente hinter den Kulissen zeigen. Unsere Friends folgen nicht hitschies, sie folgen uns, weil sie unsere Geschichte kennenlernen und auf dem Weg dabei sein möchten. Genau deshalb haben wir auch ein Brandface für unseren hitschies Kanal. Es geht darum, dass sich unsere Friends mit uns identifizieren können.
Du hast hitschies zu einer bekannten Marke und darüber zu einem viralen Hit auf TikTok gemacht. Ist Social Media First heute für jede Marke die richtige Strategie – oder funktioniert das nur unter bestimmten Bedingungen?
Ich denke, jeder sollte es ausprobieren. Aber es gibt keine universelle Strategie, die für alle funktioniert. Was bei uns klappt, muss bei einer anderen Marke nicht automatisch funktionieren. Man muss seinen eigenen Weg finden.
Authentizität ist dein zentrales Kommunikationsprinzip. Wie bewahrst du bei der Menge an Real Life Content mit deiner Person die Grenze zwischen Mensch- und Markeninszenierung?
Der Philip, den ihr auf Social Media seht, ist derselbe Philip, den ihr im Real Life kennenlernt. Da gibt es keine Grenze. Das ist einfach meine Persönlichkeit. Authentizität steht für mich immer an erster Stelle und ich glaube, das Spüren unsere Friends auch.
Stichwort Markenerfolg: Welche KPIs sind für dich wirklich aussagekräftig und welche würdest du heute nicht mehr nutzen?
Unser wichtigster KPI ist unser Bauchgefühl: einfach machen, ausprobieren – und wenn es funktioniert, sind wir happy und können so weitere Ideen entwickeln.
Was ist die mutigste Entscheidung, die du bisher für die Marke getroffen hast?
Aktuell würde ich sagen, der Marken-Relaunch zu hitschies. Aber man weiß ja nie, was die Zukunft bringt.
Was würdest du einer*m Markenverantwortlichen des deutschen Mittelstands raten, wenn es darum geht, eine Marke erfolgreich zu führen?
Erfolg hat sechs Buchstaben: MACHEN. Seid mutig, probiert einfach aus.
Setzt ihr KI bereits in der Markenführung ein? Wenn ja, wo – und hast du eine Vision, wie ihr diese in den kommenden zwei Jahren für eure Marke nutzt?
Wir integrieren KI bereits in unsere Prozesse, etwa bei der Content-Erstellung. Dabei kommen die Ideen weiterhin von uns. KI hilft uns nur, sie schneller und einfacher umzusetzen.



